Saison 25/26



Saison 23/24



„Es ist auch manchmal Leidenschaft und Kampf notwendig“

Interview von Wilhelm Tarnow mit Tino Kandlbinder, Trainer der 1. Männermannschaft des SV Grün-Weiß Lübben e.V.

Tino, seit Juli 2022 bist Du Cheftrainer beim SV Grün-Weiß Lübben. Welchen Anreiz gab es für Dich im vergangenen Sommer dieses Traineramt zu übernehmen?

Im März 2022 kam die Anfrage, ob ich mir eine Trainertätigkeit beim SV Grün-Weiß Lübben vorstellen könnte. Nach einem längeren Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden Udo Janke und dem folgenden Besuch im Stadion der Völkerfreundschaft, bei dem ich mir ein Bild vom Team und dem freundlich familiären Umfeld des Vereins machen konnte, war es dann auch relativ schnell klar, dass es passen wird. Meine weiteren Beweggründe waren aber auch die Spielklasse und die damit verbundenen neuen Herausforderungen.

Zugleich stellte Dir der Verein mit Romano Lindner einen sehr erfahrenen Spieler als Co-Trainer von Beginn an zur Seite. Wie waren Eure ersten gemeinsamen Stunden der Zusammenarbeit?

Nach seiner Verletzung zum Ende der abgelaufenen Saison 2021/22 war es schnell klar, dass Romano dem Team in anderer Funktion erhalten bleiben soll. Wir haben gegen Ende der letzten Saison bereits die ersten Gespräche zum Kader, möglicher taktischer Ausrichtungen und Spielstrategie geführt. Dabei war es hilfreich, dass mit Romano nicht nur ein erfahrener Spieler, sondern auch ein langjähriger Aktiver und Kapitän der Mannschaft mir zur Seite stand. Dessen Einschätzungen haben mir den Start erheblich erleichtert.

In Lübben wird seither einmal mehr erfrischender Offensivfußball gespielt. Welche Ideen und Konzepte verfolgst Du für die 1. Männermannschaft?

Es ist immer attraktiv, wenn man erfrischenden Offensivfußball spielt, dabei viele Tore erzielt und erfolgreich ist. Aber nicht immer lassen der Gegner, die äußeren Umstände und das eigene Leistungsvermögen diese Art von Fußball zu. Zugleich ist es auch manchmal notwendig über Tugenden, Leidenschaft und Kampf zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Mit unserem jungen und technisch gut ausgebildeten Kader wollen wir auch zukünftig eine offensive und attraktive Spielweise auf den Platz bringen.

Genau diese grün-weiße Truppe hält sich derzeit sehr solide im Mittelfeld in der Tabelle der Verbandsliga. Welches Ziel hast Du am Saisonanfang an die Mannschaft ausgegeben?

Wir sind nach dem großen Umbruch zum Anfang der Saison mit einer jungen Mannschaft (U23) in die Saison gegangen, wollten möglichst schnell punkten und einen gesicherten Mittelfeldplatz erreichen. Das ist uns bisher auch gut gelungen. Zum Ende der Hinrunde werden wir jetzt sehen, welche Ziele möglich sind und gegebenenfalls die Ansprüche korrigieren.

Du sprichst von eventueller Korrektur der Ansprüche. Wo siehst Du aktuell noch Verbesserungspotential?

Als Trainer sieht man immer Verbesserungspotential, aber ein bis zwei gestandene Spieler mit Erfahrung würden der jungen Mannschaft guttun und noch mehr Stabilität geben.

Ein paar Wochen Winterpause und Regeneration tun mitunter nun auch sehr gut. Nichtsdestotrotz, wie gehst Du mit Deinem Trainerteam die Vorbereitung auf die Rückrunde an?

Ich denke, die Winterpause tut nicht nur der Mannschaft gut. Vor allem den vielen Helfern rund um den Verein, die Woche für Woche dafür sorgen, dass ein geregelter Trainings- und Spielbetrieb stattfinden kann, kommt diese Zeit gelegen, um einmal etwas Abstand zum Stadion der Völkerfreundschaft zu bekommen. Ende Januar geht es dann für alle wieder mit der Vorbereitung auf die Rückrunde los. Es wird dreimal wöchentlich trainiert und am Wochenende getestet, um am 25.02.2023 zum Rückrundenauftakt im Heimspiel gegen den SV 1920 Zehdenick gerüstet zu sein.

Foto: Jens Kilisch


Die klare Zielstellung heißt KlassenerhaltEin Interview von Wilhelm Tarnow mit Tino Kandlbinder, Trainer der 1. Mannschaft beim SV Grün-Weiß Lübben

Tino, 8 Punkte aus 13 Spielen – mit diesen Zahlen ging es für Dich und Dein Team in die Winterpause. Hast Du Dir die Sache zu Saisonbeginn anders für die 1. Männermannschaft vorgestellt?

Bei noch ausstehenden 3 Spielen, sind 8 Punkte in der Hinrunde der Brandenburgliga 2023/2024 natürlich deutlich zu wenig und in der Planung der Saison haben wir für uns das selbstverständlich auch nicht so vorgesehen.

Was ist Deiner Meinung nach die Ursache für die wenigen Punkte?

Nach dem Abgang von 8 Spielern in der Vorsaison ist der Kader mit 6 Neuzugängen und einer Kaderstärke von insgesamt 18 Spielern in die Saison gestartet. In den ersten Begegnungen wurden dann leichtfertig die Punkte gegen TSG Einheit Bernau (2:3), SV Germania 90 Schöneiche (1:2), SV 1920 Zehdenick (4:4), FV Preußen Eberswalde (1:4) liegen gelassen. Danach folgten 3 Spiele gegen SV Victoria Seelow (6:0), Oranienburger FC Eintracht (3:1), 1. FC Frankfurt (1:1), wo kurzzeitig das eigentliche Leistungsvermögen abgerufen werden konnte und man sich wieder in der Spur wähnte. Aber durch Verletzungen und persönliche Auszeiten von Spielern, die der Mannschaft in der Hinrunde nicht mehr zur Verfügung standen, dezimierte sich der Kader und geriet in einen kritischen Zustand. Zudem führten Undiszipliniertheiten zu insgesamt 6 roten beziehungsweise gelb-roten Karten und den damit verbundenen Spielsperren. Das gefährdete die Spielfähigkeit weiter, so dass uns für die letzten 5 Spiele nur 12 Spieler einschließlich der 2 Torhüter zur Verfügung standen. In dieser Phase konnten wir leider nur bedingt auf Spieler aus der 2. Mannschaft zurückgreifen. So mussten wir versuchen, aus dieser Situation das Beste zu machen. Im Spiel gegen Fortuna Babelsberg waren wir nach einer starken 1. Halbzeit und der 4:2 Führung den 3 Punkten sehr nahe, konnten aber nach gelb-roter Karte sowie verletzungsbedingten Ausscheidens zweier Führungsspieler nichts mehr entgegensetzen und gaben den sicher geglaubten Sieg her. Den vorerst letzten Tief- und somit Schlusspunkt einer denkwürdigen Hinrunde erlebten wir in Klosterfelde, wo sich der verbliebene Rest von 8 Spielern nur durch den Spielausfall der 2. Mannschaft spielfähig ergänzen ließe, aber dem in allen Belangen überlegenen Gegner nur wenig entgegenzusetzen hatte.

Gut zwei Monate Winterpause sind nun vorbei. Woran hast Du währenddessen mit dem Team gearbeitet?

In allererster Linie ging es in der Winterpause darum, den Kader quantitativ und qualitativ zu verstärken sowie das Selbstvertrauen durch Erfolge aufzubauen. Dazu haben wir in den 2 Hallenturnieren mit den jeweiligen Pokalsiegen den Grundstein legen können und konnten die entstandene positive Euphorie in die Trainingsarbeit sowie die anstehenden Testspiele einbauen. In der kurzen Vorbereitungszeit mit vielen Testspielen geht es jetzt darum den Kader zu finden, Abläufe zu schulen und vor allem einen neuen Teamgeist zu entwickeln.

Ziel sollte in jedem Fall der Klassenerhalt sein. Wie schätzt Du die Chancen dafür ein?

Die Zielstellung ist uns allen bewusst und wird innerhalb der Mannschaft kommuniziert und manifestiert. Es wird aber vor allem darauf ankommen, wie wir die ersten Spiele der Rückrunde gestalten können. Mit positiven Ergebnissen in diesen Spielen könnten wir uns aus der derzeitigen Tabellensituation befreien und mit den noch ausstehenden Nachholspielen am Osterwochenende weiter an Boden gut machen. Das wäre eine gute Basis, mit der wir in die letzte Phase der Saison blicken und den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen könnten.

Wie lautet das Rezept des Trainers, damit der SV Grün-Weiß Lübben auch in der kommenden Saison in der Brandenburgliga Fußball spielt?

Die Brandenburgliga erfordert von Mannschaft und Verein einen sehr hohen Aufwand an Zeit, Bereitschaft und Unterstützung, aber auch an finanziellen Mitteln, um den Anforderungen der höchsten Spielklasse in Brandenburg gerecht werden zu können. Mit Vervollständigung unseres Kaders wird er hoffentlich schnell zu alter Stärke finden und eine der Zielstellung Klassenerhalt entsprechende Qualität aufweisen. Unabhängig davon müssen wir in dieser Situation vermehrt auf den Zusammenhalt und die Wahrung einer entsprechenden Disziplin achten, damit sich die Fehler der Hinrunde nicht wiederholen. Es wird aber auch weiterhin notwendig sein, im Verein, in der Region und darüber hinaus Ausschau nach talentierten Spielern zu halten, um den Kader der Spielklasse entsprechend zu entwickeln, damit es auch in Zukunft attraktiven Brandenburgliga-Fußball im Stadion der Völkerfreundschaft zu sehen gibt.

Jens Kilisch