in process - noch ein wenig Geduld :-)
Die Dritte ist Meister!
Derzeit redet ganz Fußball-Deutschland von Bayer Leverkusen, weil die einen angeblichen Vize-Fluch abgelegt hätten. Dabei stimmt das gar nicht. Leverkusen ist Meister, nachdem sie es in den vergangenen 120 Jahren nicht waren. Das ist alles. Ob man damit angeben muss, darf jeder für sich selbst beurteilen. Die wahren Helden des goldenen, letzten Schrittes zum Gipfel stellen keine Pillen unterm Bayer-Kreuz her, sondern ernten Leinöl und fördern Gurken im schönen Spreewald. Somit hat die Dritte von GWL auch in Sachen Nachhaltigkeit die Nase vorn. Der Zuschauerschnitt dürfte ebenso für die Spreewälder sprechen. Aber beginnen wir ganz vorn.
2020 meldete Grün-Weiß Lübben erstmals in seiner Vereinsgeschichte eine dritte Mannschaft für den Spielbetrieb an. Die Meldung für eine Trainingszeit sollte zeitnah folgen, wodurch man bereits anhand dieser Chronologie das Erfolgsrezept der Truppe erahnen konnte – Siege mittels ausgeruhter Beine. Die Rekrutierung erfolgte streng gemischt aus dem jugendlichen Nachwuchs sowie aus betagteren Spielern, denen das Tempo in der Altliga zu hoch war. Was sollte da schief gehen, zumal mit Ronald Zacharias von Anfang an ein Leitwolf das Rudel anführte, der als Beamter beruflich schon ganz anderen Himmelfahrtkommandos gegenüberstand. Teamtagplanungen zum Beispiel.
Das Team selbst musste sich nicht lange finden. Jeder Spieltag glich einer Art sportlichem Absolvententreffen – man sah langjährige Freunde und Mitspieler, mit denen man teilweise seit der E-Jugend zusammen dem Ball nachjagte, mit der nie versiegen wollenden kindlichen Freude in den Augen. Die Bäuche wuchsen in derselben Geschwindigkeit, in der sich die Kopfhaare verflüchtigten. Das vertraute Teamgefühl blieb, ebenso wie die Freude nach einem Sieg. Ich weiß noch, wie ich damals nach dem 3:1 in Schönwalde mit Smile feststellte, dass sich Siege in der 2. Kreisklasse genau so toll anfühlten wie früher in höheren Spielklassen. Fußball, du ewige Liebe!
Rückblickend betrachtet war die erste Saison sicher die beste der Dritten. Alle Spiele wurden gewonnen. Lediglich dem übermächtigen Corona-Virus musste man sich geschlagen geben, obwohl es nie Schienbeinschoner trug. Aber der VAR blieb dem Sport noch verschont und so blieb Lübben der Aufstieg verwehrt.
Die zweite Saison wurde dementsprechend ambitioniert angegangen. Allerdings hatte sich für diese Spielzeit mit Vetschau eine Truppe angemeldet, die nicht nur fußballerisch eine hohe Qualität hatte, sondern dazu auch noch junge Beine, die diese konstant auf das Grün zu tragen vermochten. So stand am Ende der verdiente Aufstieg für die Vetschauer fest und Lübben wurde Vizemeister.
Drittes Jahr, dritter Versuch der Dritten. Diesmal sollte es tatsächlich mit dem Aufstieg für die Lübbener klappen. Aber irgendwer hatte das Antragsformular beim Fußballgott unleserlich ausgefüllt, und so gebührte die Ehre am Ende der Spielgemeinschaft Schlepzig/TSG Lübben II, die sich den Aufstieg nicht zuletzt mit einer tollen Leistung samt Unentschieden am vorletzten Spieltag bei GWL III verdienten.
Also noch ein Jahr. Noch einmal fetteten die zum Großteil in die Jahre gekommenen Männer ihre Oberschenkel und Schuhe ein (übrigens mit derselben Creme, ist ja alles Leder) und trabten auf die grünen Felder des vielversprechenden Ruhms. Die Saison sollte leistungsmäßig insgesamt die ausgeglichenste sein. Die Dritte, Schönwalde II, die Spielgemeinschaften Missen/Altdöbern II sowie Jamlitz/Lieberose und Groß Leuthen II konnten sich inzwischen alle gegenseitig echt ärgern und zur Halbzeit der Saison war die Liga noch erstaunlich offen. In der Rückrunde gelangen den alten Cowboys der Dritten jedoch in allen entscheidenden Spielen Siege, wenn auch mitunter knapp. Und so kann tatsächlich die Meisterschaft gefeiert werden. Früher stand Jägermeister neben dem Bierkasten in der Kabine, heute Blasentee. Aber der Triumph fühlt sich trotzdem toll an – die Spielklasse ist nämlich egal. Es geht nur um Fußball und das Miteinander.
Und deshalb soll an dieser Stelle nicht nur das Erreichte hochgejubelt werden, sondern auch dem Sport und der Gegner Respekt gezollt werden. Es steht nämlich außer Frage, dass wir bei Grün-Weiß auch Bedingungen haben, von denen andere Vereine nur träumen können. Die Spielklasse existiert nur deshalb, weil auch kleinere Vereine am Spielbetrieb teilnehmen und diesen trotz zahlenmäßig überschaubarer Kader aufrechterhalten. Hier besteht die Spielvorbereitung nicht nur aus der Kontermolle, sondern auch aus der Bereitschaft, den Platz vor dem Spiel einzukreiden und die Tore aufzubauen. Und obwohl es sportlich auch Durststrecken gibt, sitzen am nächsten Sonntag wieder mindestens 11 unverbesserliche Fußballenthusiasten in einer schimmeligen Kabine, die natürlich ebenso in Eigenregie zusammengezimmert wurde, laben sich am Finalgon-Geruch und stark beschönigten Erinnerungen an frühere „Traum“tore und gehen raus und spielen Fußball. Von den Schiedsrichtern, die auch in den untersten Spielklassen verlässlich die Spiele leiten, ganz zu schweigen.
Nach Jahren des Silbers holt die Dritte also Gold. Zum Vergleich: Leverkusen war in den vergangenen Jahren 6., 3. und 6. Dazu benötigte die Dritte lediglich 4 Jahre für den großen Wurf. Damit wäre der Erfolg der Dritten auch angemessen eingeordnet. Und wenn es für die sporthistorische Bedeutung noch einer Unterstreichung bedarf, um die Leistung und den Stolz fühlen zu können: In der ewigen Tabelle der 2. Kreisklasse belegt GWL III einen achtbaren dritten Platz. Mehr geht nicht.
Danke an den Verein, der uns das ermöglicht hat. Danke an König Fußball. Auf euch, Männer! Ich würde diesen abgelegenen Pfad jederzeit wieder mit euch gehen!
LG. Peter Tyra
Trainer
Ronald Zacharias
Peter Tyra